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23. Januar 2016
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23. Januar 2016
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Toni der Weihnachtsmann

GdL_Karsten_Gurs

Karsten Gust

Karsten Gust berichtet von seinen Erlebnissen
in 27 Jahren, als Toni der Weihnachtsmann

Wie wird man Weihnachtsmann

Schuld an allen ist meine Frau aber dazu später.

Ich Baujahr 1965 als 1988 gerade mal 23 Jahre Alt und Jung und voller Tatendrang mit meinen Sprachfehler, dass ich bei meiner Frau nie nein sagen konnte.

Es war Ende November und ich saß gemütlich nach getaner Schicht als Kraftfahrer im Krankentransport in unser kleinen Stube und rauchte genüsslich.

Meine Frau kam von der Arbeit als Altenpflegerin nach hause und erzählte mir, dass sie am 06.12.1988 bei Kieperwilli in der Bahnhofskneipe Weihnachtsfeier haben. Es fehlte nur noch der Weihnachtsmann.

Nun kommt es warum meine Frau daran Schuld ist warum ich Weihnachtsmann wurde. Sie fragte mich, ob ich nicht den alten Knaben mimen könne.

Der Grundgedanke war geboren. Ich werde Weihnachtsmann. Aber nun das große aber. Kein Kostüm und keine Ahnung.

Meine Frau sagte nur das Elli, ihre Arbeitskollegin im Theater Zittau schon angerufen hat und alles organisiert hat. Nun konnte ich endgültig nicht mehr nein sagen und sagte mir das wird schon werden.

Mein erster Auftritt als Weihnachtsmann

Die Zeit verging und der Termin der 06.12. 1988 18 Uhr rückte näher.
Eigentlich bin ich ja ruhig und entspannt aber die Aufregung wurde größer.

Also noch schnell eine rauchen, Tasse Kaffee und noch eine rauchen und anziehen. Ein Auto hatten wir noch nicht und so fuhr ich die 7 Kilometer bei Frost und Schnee mit meinen alten Moped vom Typ S 51 nach Obercunnersdorf.

Dort angekommen wartete Elli schon auf mich. Im kalten Eingang neben den Toiletten zog ich meine dicken Sachen aus und das Kostüm an. Die Stiefel zu klein und zu eng, dass Kostüm drei Nummern zu groß der Bart zu locker und die Mütze zu eng. Doch was sollte ich nun machen, zugesagt ist zugesagt und zurück gab es nicht. Auf los ging’s los.

Jetzt schon lief mir der Schweiß im Gesicht herunter und die Schminke an den Augen in die Augen.

Nun doch schon ziemlich Nervös den Sack mit den Geschenken auf den Rücken und mit der Faust gegen die Tür. Mein Werk begann als als Weihnachtsmann.

Der Raum war verraucht und die Luft sehr dünn. Nun sollte ich auch noch was vorlesen und ich konnte es nicht da die Schminke in die Augen gelaufen war und die Schrift kaum zu lesen. Mir wurde zum Glück ausgeholfen und die Bescherung ging noch mal gut.

Alles geschafft, schnell raus hier und raus aus den Kostüm, denn ich war total durchgeschwitzt und fix und fertig.

Zurück nach Hause, eine rauchen und ein Bier.

Eigentlich gar nicht so schlecht in der neuen Rolle sagte ich mir, jetzt bin ich Weihnachtsmann und so fing alles an.

Mein erstes Jahr als Weihnachtsmann

Der Gedanke war ja geboren. Ich bin jetzt der Weihnachtsmann, doch nur mit Namen Weihnachtsmann machts auch kein Spaß, also mußte ein Name her. Warum nicht Toni der Weihnachtsmann? Toni riefen mich schon meine Eltern, da ich als ich geboren wurde meine Eltern mich eigentlich Toni nennen wollten, aber meine Großeltern meinen Eltern zur Geburt einen Kater schenkten der Toni hieß.

Kein Kostüm, keine Stiefel, kein Bart und keine Perücke. Was nun? Also kauften wir mit meiner Frau roten Stoff und fragten meine Mutter die gelernte Schneiderin ist, ob sie ein Kostüm schneidern könne. Stiefel hatte ich ja noch meine aus der Armeezeit die ich heute noch trage und so kauften wir noch Bart und Perücke. Aus Birkenästen bastelte ich mir eine Rute die ich auch heute noch habe und der Weihnachtsmann war perfekt.

In der Zeitung stand, dass das Arbeitsamt Weihnachtsmänner suchte und ich so gleich anrief und mich meldetet. Ich gab meine Daten durch und Telefonnummer und immer wenn das Telefon klingelte war ich aufgeregt ob ich als Weihnachtsmann gebraucht werde.

Die ersten Termine wurden ausgehandelt und der Kalender für Heiligabend füllte sich.

Der rückte näher und näher. Die Nerven lagen etwas blank und ich machte mir Gedanken, wie ich alle Termine die ich angenommen hatte schaffen sollte.
Zum Glück hatten wir ja nun unser erstes Auto vom Typ Trabant.

Mittags hatte ich schon keinen richtigen Hunger mehr und die Nervosität stieg.

Ab ins Kostüm und ins Auto und zum ersten Termin.

Die drei Kinder dort hatten wirklich noch Angst vorm Weihnachtsmann. Zum Glück hatten die keine Ahnung, dass es mir nicht besser ging.

Der erste Termin war geschafft und ab zum nächsten. Denkste Weihnachtsmann. Raus aus dem Haus und da rief von weiten ein älterer Mann halt Weihnachtsmann.

Er erklärte mir, dass die Enkelkinder den Opa als Weihnachtsmann erkannt haben und er nun den echten Weihnachtsmann suche. Die Zeit war knapp aber ich erledigte noch schnell den Job und auch bei der Familie war das Weihnachtsfest gerettet.

Nach acht Terminen war ich geschafft und mein Tagwerk auch.

Total fix und fertig kam ich nach Hause und sagte mir nächstes Weihnachten stehe ich wieder vor der Tür.

So entwickelte sich das Weihnachtsgeschäft von Jahr zu Jahr weiter und auch in der Vorweihnachtszeit gehe ich seit dem auf Tour.

Freud und Leid beim Weihnachtsmann

In den vielen Jahren als Weihnachtsmann hat man schon viel erlebt.

Das Hauptgeschäft hat sich in den letzten Jahren in die Vorweihnachtzeit verlegt für Firmenveranstaltungen, Schulen, Kindergärten und Weihnachtsfeiern.

Eines Tages bekam ich einen Anruf ob ich auch für ca. 40 geistig und körperbehinderte Jugendliche weiter weg den Weihnachtsmann spielen könne.

Da ich in dessen selbständig war konnte ich mir es einteilen und sagte zu.

Am Tag der Weihnachtsfeier nahm ich keinen weiteren Termin an den Abend an, da aus Erfahrung solche Termine nicht in 30 Minuten zu erledigen sind.

Als ich am Veranstaltungsort ankam und durch das Fenster schaute, ahnte ich schlimmes. Nicht nur die Jugendlichen aus dem Behindertenheim sondern noch 50 Rentner saßen im Saal.

Also ich hinein und mit Getöse zu den Jugendlichen wo ich mit Freude empfangen wurde. Aber auch die Rentner warfen einen prüfenden Blick auf mich.

Viele Jugendliche kamen sofort zu mir und drückten mich. Alle wollten die ersten sein.
Nach dem ich etwas ruhe hinein gebracht hatte erzählten mir bei der Geschenkeübergabe viele kleine Gedichte auch selbstgemachte und so mancher mir eine Geschichte.
Als meine Arbeit fast zu Ende war stand ein geistig behindertes junges Mädchen auf und fragte mich, ob sie für mich noch was singen darf.
Ich sagte ja und sie fing an mit Engelsstimme das Ave Maria zu singen.

Die gesamten Rentner standen auf und sangen mit. Das klang wie in der Kirche und selbst mir als indessen gestandenen Weihnachtsmann wurde warm ums Herz und die Tränen standen in den Augen.

Natürlich gibt es auch traurige Geschichten beim Weihnachtsmann.

Ein Jahr war vergangen und die Behinderteneinrichtung rief wieder an und fragte nach einen Termin und ob ich wieder kommen würde. Ich sagte ja und freute mich schon darauf. Die Veranstaltung lief wieder super und nach der Verabschiedung fragte ich vor der Tür bei der Bezahlung die Betreuerin wo denn das Mädchen mit der Engelsstimme ist. Die Antwort war für mich Schock.

Sie war leider verstorben und für mich war der Tag gelaufen.

Das sollte aber nicht alles traurige in diesen Jahr sein. Irgendwie war der Wurm drin.

Mein Terminplan für Heiligabend straff durchgeplant und geschrieben sollte sich noch ändern.

Eines Abends als ich von einer Firmenveranstaltung kam blinkte der
Anrufbeantworter, darauf war eine traurig klingende Stimme von einer Omi bei deren Enkelkinder ich jedes Jahr war, mit der bitte um dringenden Rückruf.
Sofort rief ich zurück und der nächste Schock war da. Sie erzählt mir, dass der Papa heute drei Tage vor Weihnachten auf der Autobahn tödlich verunglückt ist und ob ich irgendwie das Weihnachten retten könne. Für mich nicht leicht und ich plante alles um damit ich eine Stunde bei der Familie sein konnte.

Leicht war es nicht.
Vor so einen Termin habe ich noch nie gestanden. Als ich in die Stube kam erzählten mir die traurigen Kinder sofort das Leid und das Mama sagte Papa sei jetzt im Himmel. Zum Glück war es draußen dunkel und der Himmel Sternenklar. Ich faste die Kinder bei der Hand und ging nach draußen. Dort zeigte ich an den Himmel und sagte einer dieser leuchtenden Sterne ist jetzt euer Papa und der schaut nach euch und passt auf euch auf.

Der Kontakt ging dann leider für Jahre auseinander was schade war, da die Kinder nicht mehr an den Weihnachtsmann glaubten.

Eines Tages klingelte mein Telefon und die Mutti war dran. Sie fragte ob ich auch an die Küste als Weihnachtsmann komme. Sie sei nun wieder verheiratet und habe noch ein Kind. Sie sind nun wieder eine glückliche Familie und die Kinder haben wieder einen Papa.

Weitere spannende und interessante Geschichten und Gedichte von Toni dem Weihnachtsmann:

Toni der Weihnachtsmann

Lebensgeschichte von:

Karsten Gust
www.toni-weihnachtsmann.de

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